Mein Abenteuer-Ost 

Mit dem Schritt in den Bus in Richtung Rēzekne (Lettland) beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Das lästige Schreiben zahlreicher Bewerbungen, das Hoffen auf eine Bestätigungsmail, sämtliche Arztbesuche und herzzerreißende Verabschiedungen, all dies hat nun ein Ende, denn nun werde ich meinen Europäischen Freiwilligendienst (EFD) in Lettland beginnen. Dieser Blog soll meinen Freiwilligendienst festhalten und wird euch auf dem Laufenden halten. Ich werde so oft wie möglich versuchen ihn mit neuen Informationen zu füttern, um meine Erlebnisse mit euch zu teilen. 

„Abschiede sind Tore in neue Welten“ (01.09.2015)

Der tonnenschwere Koffer ist gepackt und nun stehe ich hier am Berliner ZOB mit meinem Busticket in der Hand, noch hart getroffen von dem schweren Abschied von allen Bekannten, Freunden und vor allem von Mutter und Bruder, welche mich von Magdeburg bis nach Berlin brachten. Ich werde sie nun ein ganzes Jahr nicht sehen. Doch für lange Melancholie bleibt keine Zeit, denn gleich geht es los.

 

Orientierungslos laufe ich am ZOB entlang um Louis, meinen neuen Mitbewohner, zu suchen. Ein Glück finde ich ihn sehr schnell und wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut. Nach unserer kurzen und positiven Bekanntschaft gehen wir zu der Bushaltestelle, wo punkt 22 Uhr unser Bus fahren wird. Vorfreude und Aufregung erfasst mich. Auf in den Bus.

 

Die wilde Fahrt von 24h in Richtung Ost kann beginnen!  

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Louis und Ich kurz vor der Abfahrt. 

Das Durchbrechen der „Schengen-Grenzen“

Das schwere Hämmern des Busmotors erklingt und ich lasse mich auf meinen Platz nieder, wo ich nun 24h verweilen werde. Die Zeit vertreiben Louis und Ich uns mit zahlreichen Filmen und Spielen auf dem Monitor, welcher sich am Sitz des Vordermannes befindet. Schnell bricht der nächste Tag an, es ist sehr heiß und drückend, und schnell fahren wir über die Grenze von Polen nach

Louis spielt "di Lines"                                        Litauen, welche Dank der Osterweiterung                                                                         der Europäischen Union keine Probleme verursacht. Sofort wurde der starke russische Einfluss hier zu Lande deutlich, denn schon mehrfach musste ich auf der Busfahrt Gebrauch von meinen längst eingestaubten Russischkenntnissen machen. Es wurde dunkel und nun konnten wir die wunderschöne Natur durch die, dunklen Busscheiben nur noch erahnen, als wir die Grenze nach Lettland "durchbrechen". 22h lang war die Busfahrt ein Kinderspiel, doch die letzten Stunden wurden immer anstrengender. Aufregung erfasst uns, als der Bus schließlich langsam wurde und in Rēzekne hält. Wir versuchen etwas durch die dunklen Scheiben zu erkennen, doch sehen wir nur die Silhouetten der Leute, die uns kurze Zeit später freundlich begrüßen. Anschließend geht es sofort in die sehr große und sehr moderne Wohnung, wo wir nun mit Tamara (aus Italien) leben werden.

 

 

Nun kann es richtig losgehen! 

„Zeimuls“-Bleistift (02.09.2015)

Spät erwache ich vom Lärm der Kettensäge in meinem neuen Zuhause und ich brauche zunächst Zeit um zu realisieren, dass mein EFD wirklich begonnen hat. Tag 1 stand vor der Tür, als ich mit Tamara und Louis die Wohnung verlasse. Wir machen uns auf dem Weg zum „Zeimuls“, das Jugendzentrum der Stadt und mein Arbeitsplatz für das nächste Jahr. Dieses moderne und einzigartige Gebäude hat mich von Anfang an begeistert. Nachdem wir freundlich von der Chefin „Willkommen“ geheißen werden, testen wir auch gleich mal die hauseigene Cafeteria. Sehr lecker! Endlich wieder «борщ» (eine russische Suppe). Ein Haufen von Informationen bricht wie eine Lawine auf mich ein und ich hoffe, dass ich nichts Wichtiges vergessen habe. Anschließend nehme ich an Tamaras „Italian“ Kurs teil und wir treffen auf all die Jugendlichen, welche im „Zeimuls“ tätig sind. Zum Abend werden wir freundlich zum Essen eingeladen und haben einen super Abend!

 

 

Ein super Start!

 

"The Gang"

Das „Bürokratie-Monster“

In den nächsten Tagen gilt es viele Wege zu erledigen, weshalb Ilze, eine Koordinatorin des Zentrums, uns auf  eine kleine Tour mitnimmt. Vom „Zeimuls“ geht es zur Bank und zum Handyshop. Dort können wir jedoch ohne unsere lettische Identifikationsnummer, die man hierzulande anscheinend für alles braucht, nichts erreichen. Also, auf zum Migrationsamt! Als wir den Raum betreten, welcher uns vor der Nässe des lettischen Wetters schützt, dauert es auch nicht lange bis unsere Nummer auf dem Bildschirm erscheint. Die lettische „бабушка“ hinter dem Schalter erscheint sehr genervt zu sein und drückt uns einen Haufen Zettel in die Hand, den wir nun am Nachmittag ausfüllen müssen.  Ein Monster voller unnötiger Informationen und Fragen liegt vor uns. Am nächsten Tag dürfen wir nun erneut am Schalter „antanzen“, doch auch dieses Mal kann das Monster nicht besänftigt werden. Im Gegenteil - Es baut sich auf, beginnt seine bürokratischen Kraken-Arme auszubreiten und meine gute Laune, meinen „guten Start“, zu packen und zu ersticken. Die Frau akzeptiert eine Kopie meiner Versicherung nicht und fordert das Original, das sich lediglich in der Farbe von der Kopie unterscheidet und sich deswegen leider zuhause befindet. Also Mama anrufen, das Original zuschicken lassen und wieder eine halbe Ewigkeit warten bis das Monster bearbeitet wird. So unnötig wie ein Staubsauger in der Wüste. Ein Hoch auf die Bürokratie!

Am Nachmittag blinzelt endlich die Sonne wieder zwischen den Wolken hervor und schnell wendet sich wieder alles zum Positiven. Im „Zeimuls“ trinken wir leckeren Kaffee und entspannen bis es zurück in die Wohnung geht. "Zuhause" angekommen beginnen Louis und ich die Arbeit an unseren Projekten. Wir erstellen Plakate, um unsere Projekte zu promoten, und arbeiten an der Verwirklichung unserer Workshops. Die Zeit vergeht wie im Fluge und wir kochen zusammen mit Tamara russische «Пельмени», dekorieren die Wohnung und haben einen wunderschönen Abend.

 

Das erste Wochenende in der neuen Heimat kann beginnen!

 

Wochenende à la Kebab (06.09.2015)

Es ist Freitagabend. Wir gehen die kaputte Straße entlang, auf der ich immer das Bedürfnis habe, jeden einzelnen Stein wie einen Fußball behandeln zu müssen, was vielleicht damit zusammen hängt, dass ich eine lange Zeit kein Fußball mehr gespielt habe. Das muss geändert werden, aber erstmal den Start in das Wochenende genießen. Dafür gehen wir zu einer Brücke nicht weit vom „Zeimuls“- lustig, fröhlich, gespannt auf das Wochenende. Wetter und ein brummender Magen führen uns letztendlich zum Ausmeņa Kebab, den wohl spannendsten Ort dieser kleinen Provinzhauptstadt. Wir geben eine große Bestellung auf, und belieb äugeln das, was gleich unseren Magen füllen wird. Einen Kebab lettischer Art und Weise mit reichlich Fleisch. Lecker. In diesem Sinne einen Gruß an alle Vegetarier, die diesen Blog lesen. Doch dieses Gebäude bietet uns nicht nur ein unglaubliches Sättigungsgefühl, sondern auch eine Menge neuer sozialer Kontakte. Schnell werden neue Bekanntschaften geknüpft, die uns zu „Hot Pizza“ führen, eigentlich ein Pizzaladen, wo eine kleine lettische Party stattfindet. Die Letten wissen, wie man Party macht. Erst spät geht es zurück in die Wohnung und somit endet auch ein unglaublicher Abend und ein perfekter Start in das Wochenende. 

Erdrückt von der Last des gestrigen Abends erwache ich relativ früh in meinem kleinen, aber feinen Zimmer. Wir frühstücken reichlich, holen Verpflegung vom „Rimi“ und entdecken die Stadt. Rezekne ist klein aber doch hat es viele schöne Ecken. Ein starker Kontrast zwischen beeindruckender Moderne und alter Zerbrechlichkeit fällt mir ins Auge, wie die Sonnenstrahlen, die das heutige Wetter prägen. Es ist erstaunlich wie viele Projekte des EU-Fonds diese Stadt zieren und was wäre sie nur ohne diese. Mein Weg zum „Zeimuls“ wäre ohne das riesige „Gors“, eine Art Academy, wohl nur halb so spannend und meine Arbeit im „Zeimuls“ wäre bestimmt nur halb so cool, würde sie nicht in diesem modernen und großartigen Gebäude stattfinden. Erschöpft vom langen zurückgelegten Weg finden wir uns erneut beim Kebab wieder, wo wir wie zuvor soziale Kontakte knüpften. Anschließend gilt es Schlaf nachzuholen. 

 

Der Sonntag beginnt mit einem Drang nach Bewegung. Während des Joggens treffe ich Андрей, eine Bekanntschaft von der Party am Freitag, welcher fragt, ob wir nicht Lust und Zeit auf eine Runde Fußball haben. Wie der Beginn dieses Textes zeigt besteht ein großer Drang und so führt uns unser Weg zum Sportplatz, nicht weit von uns, wo wir nun 2 Stunden verweilen werden. Wir treffen viele neue Leute und es macht Spaß endlich mal wieder Fußball zu spielen. Das Klima im Spiel, was wir nach einer kleinen „Schnikker“-Runde beginnen, ist super und hier werden Louis und ich wohl noch öfter hinkommen!


Erschöpft geht es nun ins Bett, denn eine spannende Woche erwartet uns im „Zeimuls“. 

Warum Lettland?

Keine Frage. Mit meiner Entscheidung ein Jahr nach Lettland zu gehen, erntete ich oft Kritik und Unverständnis. Ich solle doch lieber in die USA, nach Australien, Neuseeland oder Kanada gehen, das bringe doch viel mehr. Und was wolle ich denn hier im Osten, da gibt es doch gar nichts… Aufgrund dieser Phrasen und vieler Nachfragen zu diesem Thema, habe ich mich dazu entschlossen euch                                                                                    hier zu berichten, warum ich diese                                                                                  Entscheidung getroffen habe.


1. Was weiß man denn schon über Lettland?

In der Schule lernten wir im Geschichts- und Englischunterricht viel über die Geschichte und den Lifestyle der USA und Großbritanniens. Doch was lernt man schon über Lettland? Obwohl es Teil der EU ist, welche wir selbst bereichern, wissen viele gerade mal, wo sich Lettland befindet und dass dieses kleine, baltische Land die europäische Staatengemeinschaft mitgestaltet. Das war es dann wohl auch. Aber was für eine Sprache sprechen die überhaupt? Und besitzen die überhaupt eine eigene Geschichte? Ein Grund, mich für Lettland zu entscheiden, war also das Ungewisse. Ich möchte mehr über diese geschichtlich sehr interessante Region erfahren und die Mentalität der Menschen verstehen können. Ich möchte in Kontakt mit einer Kultur kommen, die Teil einer Staatengemeinschaft ist, in der ich selbst lebe, um so das „Puzzle“ Europa besser zu verstehen.


2. Auf den Sprachenunterricht in der Schule aufbauen!

In der Schule begann ich bereits mir die englische und die russische Sprache etwas anzueignen. Darauf heißt es nun aufzubauen. Denn was nützt das Gelernte, wenn man es letztendlich nicht nutzt? Soll die Paukerei in der Schule umsonst gewesen sein? Nein, natürlich nicht. Also habe ich nach einer Möglichkeit gesucht mein Englisch und mein Russisch zu festigen und wenn möglich eine dritte, neue Sprache zu lernen. Lettland bietet mir zahlreiche Gelegenheiten dies zu tun. Mein EFD und das Zusammenleben in der WG helfen mir meine Englischfähigkeiten zu verbessern. Zudem kann ich im Alltag, aufgrund des starken russischen Einflusses, auch meine Russischkenntnisse ausbauen. Eine neue Bereicherung wäre nun das Lettische, eine interessante und kleine Sprache, welche nach den ersten Eindrücken nicht ganz einfach zu sein scheint. Aber noch bin ich optimistisch.


3. Das Interesse an Russland

Bereits in der Schule kam ich durch das Lernen der russischen Sprache und durch zahlreiche Austauschprogramme in Kontakt mit der russischen Kultur, von welcher ich stark begeistert war. Diese Erfahrungen überzeugten mich, dass ich nach der Schule in den Osten gehen muss! Ich möchte mehr über diese interessante Region der Erde lernen. Aus diesem Grund begann ich mein Abenteuer-Ost.


4. Das Interesse an die Staatengemeinschaft Europa

Doch direkt nach Russland sollte mich meine Reise nicht führen, sondern nach Osteuropa. Nach der Osterweiterung der EU gehören nun auch ehemalige Sowjetstaaten zu diesem Gebilde verschiedenster Kulturen, an denen ich großes Interesse habe. Wie wird die EU mit dieser Vielfalt an unterschiedlichsten Einflüssen klarkommen und wie gelingt ein politischer und wirtschaftlicher Ost-West Ausgleich? Ich möchte es miterleben!


So führte mich mein Weg also nach Lettland und nicht in den Westen. Ich hoffe, ich konnte eure Fragen beantworten und meine Gründe verständlich darlegen. 

Stellungnahmen zum Blog in jeglicher Hinsicht sind immer gern erwünscht, am besten auf Facebook.

 

Erst die Arbeit dann das Vergnügen! (07.09.2015)

Nur schwer schaffe ich es die von Muskelkater durchzogenen Beine in Bewegung zu setzten um in die neue Woche zu starten. Ich schleppe mich in die Küche, teste mein Können am Herd und dann geht es ab ins „Zeimuls“, wo uns diese Woche eine Menge Arbeit erwartet, denn unsere Workshops beginnen. Jedoch finden sie natürlich nur statt, wenn auch genügend Leute Interesse daran zeigen… also Werbung machen! Louis und ich bringen unsere Plakate im Schaukasten an und dann kann es losgehen, denn mein erster Workshop- „German lessons for beginners“- wird schon Morgen stattfinden. Anschließend ziehen wir uns in die Cafeteria zurück und organisieren die bevorstehenden Aktivitäten, denn erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Doch was ist denn jetzt das Vergnügen?


Am Abend zieht es Louis und mich zum - von Tamara organisierten - Foodworkshop. Dieses Ereignis ist nicht nur die perfekte Möglichkeit mein am Morgen getestetes Können am Herd zu verbessern - wir machen Bruschetta (eine italienische Spezialität) - sondern auch die perfekte Möglichkeit neue Leute kennenzulernen. In gemütlicher Runde stellt sich jeder anhand eines Gegenstandes vor, wodurch gleich neue Bekanntschaften und eine gemütliche Stimmung entstehen. Wir lassen den Abend mit Musik, Kartenspielen und einer Menge Fotoshootings ausklingen, bis dann jeder glücklich, zufrieden und gut genährt seinen Weg zurück nach Hause antritt.


Ein sehr gelungener Abend! 

Ŝtīgers Villi – das Ende des Bürokratiemonsters 

Früh erklingt an diesem Morgen der Wecker - auf geht es in das „Zeimuls“ um zu gucken, ob der langersehnte Brief meiner Mutter nun endlich den Weg nach Lettland gefunden hat. Und ja - Glück gehabt! Der Brief mit den wichtigen Papieren, welche die Kraft besitzen das mächtige Bürokratiemonster zu besiegen, ist da. Also auf geht es in die Höhle des Monsters. Der dunkle Raum lässt mich wieder denken, ich hätte etwas Wichtiges vergessen. Doch dieses Mal kommt alles anders! Die zuvor sehr genervte Frau am Schalter ist heute nett und aufmerksam. Ohne zu zögern tippt sie alles im Rechner ein, gibt mir meine lettische Identifikationsnummer und markiert mir freundlicher Weise noch meinen neuen, lettischen Namen: Ŝtīgers Villi, damit ich diesen auch ja wiederfinde. Ein wahrer Kontersieg gegen das Monster, wenn ich bedenke, dass dieses zuvor alles so kompliziert gemacht hat. Mit der Identifikationsnummer bin ich nun nicht länger eingeschränkt und kann sämtliche wichtige Dinge erledigen: Verträge schließen, Konten eröffnen…


Das Ende des Bürokratiemonsters!

Latvijas Futbola federācija  (09.09.2015)

An diesem Nachmittag zieht es uns zu einem ganz besonderen Ort. Mit einem vollgeladenen Hänger geht es zum nagelneuen und noch nicht ganz fertigen Olympiastützpunkt von Rezekne, wo heute ein kleines Street Soccer Event des lettischen Fußballverbandes stattfindet. Meine Augen glänzen, als ich den nagelneuen Kunstrasen erblicke. Der Traum eines jeden Fußballers! Wir bauen einen kleinen Soccercourt auf und - bevor die große Überraschung des heutigen Nachmittags kommt - haben die Möglichkeit diesen einzigartigen Platz zu bespielen. Schnell entstehen auch hier neue Bekanntschaften und Louis und ich sollen sogar gleich als „Die Spieler von Bundesliga“ unser Können unter Beweis stellen. 

Die große Überraschung erreicht den Stützpunkt gegen 17:30 Uhr. Fünf Profifußballer von Spartak Riga, darunter auch zwei Nationalspieler, spielen mit den Kindern Fußball, geben Autogramme und stellen sich als Fotomodels zur Verfügung. Eine einzigartige Möglichkeit für die Kinder ihre Stars hautnah zu erleben und ihnen ihr Können am Ball zu präsentieren. Ein super Fußballtag geht zu Ende und das Zucken im Bein und die Sehnsucht nach einem Fußballverein werden immer größer! 

Mein Abenteuer-Riga (12.09.2015)

Der Koffer ist gepackt und der Zettel mit der Aufschrift „Riga“ ist geschrieben! Auf geht es per Anhalter nach Riga! Erwartungsfroh und mit der Sehnsucht am Wochenende etwas Besonderes zu erleben - natürlich außerhalb unserer kleinen Provinzhauptstadt - gehen wir zum „Rigas iela“, die Straße, welche uns direkt in Richtung Riga führt. Nach zwei erfolgreichen Mitnehmaktionen und ein paar Kilometer zu Fuß haben wir gegen Mittag circa 60km geschafft. Erschöpft warten wir an einer Bushaltestelle, den Zettel in der Hand und den schweren Rucksack auf den Schultern. Plötzlich erleuchtet ein Blinker und ein russisches Sammeltaxi hält! Dieses bringt uns dann für eine "kleine Strecke" von 200km weiter in Richtung Riga.

Willkommen in der größten Stadt des Baltikums! Schon von Weiten erblicke ich das Dach Europas - der Rigaer Fernsehturm - und Vorfreude erfasst mich. Das Sammeltaxi stoppte mitten im Herzen der bedeutenden Hansastadt und Louis und ich suchen uns den Weg in Richtung Altstadt, wo wir zunächst unser Gepäck im sehr günstigen Hostel abstellen und uns etwas zum Essen suchen. Der Hunger führt uns weiter in die Innenstadt, wo wir ein super Restaurant finden und uns erstmal stärken. Doch nichts hier mit rumsitzen! Wir wollen Riga erkunden! Es zieht uns viele Kilometer zu Fuß durch die Rigaer Altstadt, Neustadt und letztendlich zur Abenddämmerung auf eine Brücke, von welcher aus man einen Blick auf die ganze Stadt hat. 

Jetzt kann dann das Rigaer Nachtleben beginnen! Zunächst führt uns die Premiere League in eine irische Kneipe, wo wir bleiben, bis der Abpfiff vom Spiel Liverpool gegen Manchester United ertönt. In den engen Gassen gehen wir durch die Altstadt und stoppten letztendlich in einer Fun Bar. Karaoke, die Wiederholung des Bundesligaspieltages und die Bekanntschaft mit Erasmus Studenten                                                                           macht diese Nacht in Riga unvergesslich!

 

 

Am nächsten Tag geht es dann erschöpft mit dem Zug zurück nach Rezekne, wo wir das Wochenende ruhig ausklingen lassen. 

 

 

TFK Rezekne (20.09.2015)

Ich packe die Schienbeinschoner und meine Fußballschuhe in die Tasche, schaue mit ehrgeizigem Blick nach vorne und atme einmal ordentlich durch, bis es für mich auf in die Maschrutka in Richtung Riga geht. Die ersten Trainingseinheiten in meinem neuen Verein, TFK Rezekne, verliefen ordentlich, weswegen der Trainer mir die Chance gab mit nach Riga zum ersten Spiel der Saison zu fahren. Doch das ist nicht irgendein Spiel. Gespielt wird Futsal, eine Art des Fußballs, welche in Lettland recht populär und weiter vorangeschritten ist als in Deutschland, gegen den FK Nikars Riga. Nikars ist der Paradeclub des lettischen Futsals. Mehrere lettische und ein portugiesischer Spieler sind hier zu Hause und der Club weist Erfolge international auf. Eine große Herausforderung die da auf uns zukommt und eine super Erfahrung für mich gegen solche Profis zu spielen.

Am frühen Morgen geht es also erneut nach Riga in die Spielstätte von Nikars- der Olympiastützpunkt Riga. Die Spieler- erwartungsvoll  und motiviert. Wir haben nichts zu verlieren gegen diesen Spitzenclub. Nachdem wir ankommen, wird erstmal die wunderschöne Spielstätte besichtigt. Sogar den Präsidenten Lettlands zieht es hier her, was durch das spezielle Kennzeichen am Auto deutlich wird. Freude erfasst mich beim Anziehen des neuen Trikots, auch wenn dies blau-weiß und nicht gelb-schwarz ist, wie die Farben meines Herzensclubs. In diesem Sinne einen Gruß an meine alte Mannschaft: „Auch wenn ich in die Ferne muss, mein Fußballherz das schlägt für TUS!“. Also rein in die neuen Klamotten, versuchen die russische Spielansprache zu verstehen und dann rauf auf das Feld! 

Der Pfiff der Unparteiischen ertönt. Das Spiel beginnt. Zunächst heißt es für mich zugucken und lernen, wie alles abläuft. Es dauert aber nicht lange bis ich die Chance bekomme das orangene Aufwärmtrikot auszuziehen und mein Können auf dem Platz zu zeigen. Das Spiel ist schnell, die Profis sind sofort im Rücken und es ist technisch hochklassig basiert. Einige Chancen ergeben sich für uns, doch leider merkt man den Klassenunterschied zu deutlich. Der Abpfiff ertönt und wir unterliegen Nikars mit 9:2.

Ich schleppe die erschöpften Beine ins Auto und dann geht es nach dem Spiel erstmal zum Supermarkt. Verpflegung holen, bis es dann endlich zurück nach Rezekne geht. Doch ganz reibungslos verläuft die Fahrt nicht, denn um die Maschrutka in Gange zu bekommen heißt es erst nochmal Teamwork und Schieben. Die Augen werden schwer im Bus, als der Himmel sich von Rot in schwarz färbte und nur noch die Silhouette der Natur zu erkennen war.


Ein ereignisreicher Fußballtag geht zu Ende!

 

 

 „Alles tut man irgendwann zum ersten Mal“ –Dendemann (26.09)

Viele von euch haben mich gefragt, was ich nun genau in Lettland mache und ob ich nicht mal über meine Arbeit schreiben könnte…

Also ein Artikel über meine Tätigkeit hier im „Zeimuls“.


Die Überschrift trifft es ganz gut, denn meine Tätigkeit hier ist geprägt durch viele neue Herausforderungen und Tätigkeiten - die Anfangsphase wird dominiert durch viele „Erste Male“. Das erste Mal auf Englisch und Russisch unterrichten, das erste Mal überhaupt vor eigenen Schülern unterrichten, das erste Mal der Leiter eines Englisch Sprachclubs sein und vieles mehr… All diese ungewohnten Ereignisse brechen wie eine Lawine auf mich. Doch diese Lawine scheint aus Schokolade zu sein, weil sie mir viele neue Möglichkeit bietet. Mein erster Eindruck vom „Zeimuls“ ist also, dass es der perfekte Ort ist mich selbst zu entwickeln und viele nützliche Erfahrungen zu sammeln.

Deutschunterricht für Anfänger


Eine meiner Aufgaben ist es Deutschunterricht für Anfänger zu geben. Jugendliche aus der ganzen Stadt kommen her, um sich aus verschiedenen Gründen mit der deutschen Sprache zu beschäftigen. Die meisten wollen nach der Schule nach Deutschland und sehen es deswegen als sinnvoll an meinen Unterricht zu besuchen. Andere haben einfach arge Probleme in der Schule (2. Lehrjahr) und brauchen eine kleine Stütze. Und dann gibt es noch die, die einfach ein Interesse an Sprachen haben und in deren Sprachensammlung Deutsch noch fehlt. Letztendlich war es eine große Herausforderung sich als Muttersprachler von der anderen Seite mit der eigenen Sprache zu beschäftigen und nach Wegen zu suchen diese den Schülern am besten beizubringen. Dennoch macht die Arbeit sehr viel Spaß und man freut sich immer wieder, wenn man volle Kurse hat und es den Schülern hilft und gefällt. 

Englisch Sprachclub


Eine andere meiner Aufgaben ist es einen Englisch Sprachclub zu leiten. So ein Sprachclub bietet mir und den Teilnehmern die perfekte Möglichkeit ihre Englischkenntnisse auf eine sehr reale Art und Weise zu verbessern und sich mit aktuellen Themen zu beschäftigen. Dabei stehen die Nachrichten (Flüchtlinge), Musik, Essen und Themen aus dem Bereich Reisen im Vordergrund. Ein Workshop mit viele Möglichkeiten. Darüber hinaus stehen kleine Projekte auf meinem Wochenplan. Zum Beispiel habe ich die Möglichkeit mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten. Sonst gibt es da noch Outdooraktivitäten, Workshops für Kinder und Kulturvorträge.


Das sind also meine Aktivitäten hier in Lettland und ich hoffe, es ist mir gelungen euch einen interessanten und informativen Einblick in meine Arbeit zu geben.

„On-Arrival-Training“

Das unregelmäßige Knattern des Motors stoppt, ich öffne die Tür und blicke gespannt entlang des Ufers des schönen Raznas Sees, welcher sich nicht weit entfernt von Rēzekne befindet und der zweitgrößte See Lettlands ist. Die Luft sehr klar und die Natur ein Traum. Dazu wunderschönes Herbstwetter. Wenn das mal kein perfekter Ort für ein „On-Arrival-Training“ ist. Wir beziehen das                                                                             schöne Holzhaus, erkunden die Gegend                                                                           und dann kann es losgehen.


Doch was ist überhaupt ein „On-Arrival-Training“?


Seitdem ich hier bin, hatte ich diesen Termin fest im Blick, da er mir helfen wird alle Unklarheiten, welche in den ersten Wochen entstanden, zu beseitigen und neue Freiwillige kennenzulernen. Während dieses Trainings werden entscheidende Dinge, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen dem Freiwilligen und seinem Mentor (ein Mentor unterstützt den Freiwilligen bei seiner Arbeit), Informationen zum Youthpass und Informationen zum Projekt, geklärt. Also eine perfekte Vorbereitung auf das bevorstehende Jahr! 

Wir kommen an und nachdem wir uns erstmal am reichlichen Buffet stärken, lernen wir auch schon die ersten Freiwilligen kennen. Leider wird mein Wunsch nach einem multikulturellen Training nicht erfüllt, da fast nur deutsche Freiwillige (Sieben Deutsche und ein Portugiese) den Weg zum Raznas See gefunden haben. Nach ein paar „Energizer“ lag der Schwerpunkt am ersten Tag auf Teambuilding und Kennenlernen. Verschiedenste Spiele, wie zum Beispiel ein Menschenlabyrinth, und super Trainer trugen dazu bei, dass wir uns schnell als gutes Team verstanden. Zahlreiche interessante Spiele und Informationen bereicherten auch die nächsten Tage. Neben den alltäglichen Projekten war es außerdem unsere Aufgabe einen interkulturellen Abend zu gestalten, welcher dann natürlich eher ein deutscher Abend wurde, und ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen:

Die Slow-Motion-Zone


In unserer Gesellschaft heißt es nur: schneller, höher, weiter… Wir fahren von Job zu Job, erledigen einen Auftrag nach dem anderen und dabei vergessen wir ganz das Leben. Das Leben abseits von Arbeiten, Rechnungen Zahlen und wieder weiter Reisen. Aufgrund dieser Phänomene beschäftigt sich meine Gruppe während des „On-Arrival-Trainings“ mit dem Projekt einer Slow-Motion-Zone. Früh am Morgen geht es für uns nach Rezekne, um dort eine Slow Motion Zone auf die Beine zu stellen. Eine Zone, in der die Menschen kurz Inne halten und über die wichtigen Dinge im Leben nachdenken. Eine Zone in der jeder für eine kurze Zeit, unabhängig von Beruf, Geld und wer oder was er ist, gleich ist. Unsere Zielgruppe sahen wir in Jugendlichen und Studenten, weshalb es uns zur Universität zog. Die Arbeit war erfolgreich und jeder, der sich die Zeit nahm und das Leben in unserer Slow-Motion-Zone genoss, bekam einen Zettel mit einem weisen Spruch. Darüber hinaus nimmt das Projekt eine Gestalt an, die zuvor niemand erwartet hat. Über 200 Likes auf Facebook und schon weitere Projekte in Lettland und auf der ganzen Welt in Aussicht. Wenn du interessiert bist, hol dir per Link:

https://www.facebook.com/Slow-Motion-Zone-461965730641669/timeline/

mehr Informationen. 


Einen gelungenen Abschluss fand das „On-Arrival-Training“ mit einer lettischen Sauna, die auf jeden Fall eine Erfahrung wert war! Dienstag ging es anschließend mit vielen neuen Eindrücken zurück ins „Zeimuls“, denn die Workshops warten. 

„Kafija ar politiķem“- „Visi Kopā!“ (14.10)

Diese Reportage soll die sozialpolitische Lage in Lettland schildern. Wie steht es um die soziale Inklusion der Randgruppen, wie zum Beispiel Menschen mit Behinderung?


Es ist ein wunderschöner Herbsttag und vielleicht zum letzten Mal erstreckt die Sonne ihre herrlich warmen Strahlen auf die Straßen von Rēzekne. An diesem Tag zieht es mich in die Aula des Jugendzentrums von Rēzekne, das „Zeimuls“, in welchem ich nun für ein Jahr als Freiwilliger tätig sein werde. Der Geruch von Kaffee steigt mir in die Nase, als ich den großen Saal betrete - um mich herum versammeln sich Menschen aller Altersklassen. Hübsch gekleidete Jugendliche, Männer im Anzug und sogar ältere Damen und Herren zieht es hier her. Das Event, an welchem ich teilnehme nennt sich„Kafija ar politiķem“- Kaffee mit Politikern. Auf meinem Tisch registriere ich ein gelbes Schildchen mit der Aufschrift „soziale Inklusion“. War es Zufall, Absicht oder Glück? Ich weiß es nicht, doch mit dem Thema soziale Inklusion habe ich mich in Deutschland schon oft beschäftigt. Durch meinen körperlich eingeschränkten Bruder gewann ich Kontakt zu vielen Menschen mit Behinderung und so kam es, dass ich an vielen Projekten teilnahm, welche sich mit der Stellung von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft beschäftigten. 

Wie auch immer - an diesem Tag finden sich also Politiker der gesamten Provinzhauptstadt im „Zeimuls“ ein um mit Jugendlichen über verschiedene Themen zu debattieren, ihre Meinungen zu hören und Wünsche zur Kenntnis zu nehmen. Doch wie stehen die Politiker     dem Thema soziale Inklusion gegenüber und wie denken sie über Menschen mit   Behinderung?



Eine kurze Ansprache, noch schnell einen Kaffee geholt und dann kann die Diskussion beginnen. Schon die erste Runde lässt mich kräftig Schlucken. Mein Kaffee läuft kurz über und breitet sich auf dem kleinen Unterteller aus. Es ertönt die Behauptung, dass Menschen mit Behinderung von Geburt an in psychischer Behandlung gehen sollen um zu akzeptieren, dass sie etwas anderes sind. Der ältere Herr spielt energisch mit seinem grauen Bart herum und steht sehr selbstverständlich und selbstbewusst hinter seiner Aussage. Doch das ist nicht genug. Ohne die Antworten der anderen Teilnehmer zu registrieren fährt er fort, beide Arme vor dem Bauch verschränkt, indem er anfängt von der Geschichte zu schwärmen. Er äußert sich: „Heutzutage sehen ich so viele Menschen mit Behinderung, damals in der Sowjetunion gab es sowas nicht“.

Ich spüre das Blut, welches stark in meiner Hauptschlagader beginnt zu pulsieren, und eine Wut und Diskussionsfreudigkeit baut sich in mir auf. Erneut vergieße ich Kaffee. Nach einer kurzen Zeit schaffe ich es mich zu beruhigen, denn eine nächste Diskussion wartet auf mich. Meine Augen erstarren. Erneut darf ich ähnliche Argumente zur Kenntnis nehmen - dieses Mal jedoch von einem relativ jungen Politiker. Wieder richten sich Aussagen gegen die soziale Inklusion von Menschen mit Behinderung. Meine Argumentation findet wenig Gehör und noch weniger Verständnis. Der junge Politiker richtet selbstbewusst seine blaue Krawatte, erhebt sich und Erleichterung erfasst mich als er den Platz wechselt. Zu empfindlich bin ich, wenn es um das Thema Menschen mit Behinderung geht. Geschockt und äußerst deprimiert verlasse ich den Raum - mit fester Entschlossenheit den Jugendlichen in meinen Projekten eine andere Art und Weise des Denkens aufzuzeigen, als die Politiker es ihnen vorleben. Eine moderne Denkweise, welche gesetzlich im Programm der EU niedergeschrieben ist.

Die Situation von Menschen mit Behinderung in den ehemaligen Sowjetstaaten war schon immer eine kritische Sache. In der Zeit der Sowjetunion gab es folgende ideologische Grundregel: Im Kommunismus existieren keine behinderten Menschen. Sie sollen ihre Anzahl in der „richtigen“ sozialistischen Gesellschaft kontinuierlich verringern. Die Realität sah folgendermaßen aus: Nicht die Ideologie trug zu einer geringeren Anzahl von Menschen mit Behinderung bei, wie der ältere Herr im Gespräch standhaft betonte, sondern man versuchte die Geburt behinderter Kinder von Anfang an zu verhindern. Eltern wurden gedrängt bei geistigen und schweren Behinderungen ihre Kinder in Heime, hier „Internate“ genannt, abzugeben. Hier erwartete die Kinder ein menschenunwürdiges Leben. Keine Förderung, keine Bildung, kein Kontakt zu den Eltern. Die Lebenserwartung liegt bei 16 Jahren. Entscheiden sich die Eltern dafür das Kind zu behalten, stoßen sie im Alltag auf viele gesellschaftliche Barrieren. Es fehlt den Eltern an nötigem Wissen und an finanziellen Mitteln, das Kind darf nicht zur Schule gehen, also muss eine Betreuung gewährleistet werden und Freunde und Familie wenden sich ab. Spott in der Gesellschaft war die Folge.

Durch mein Projekt „Du Down“, gefördert bei Conduco e.V., welches sich mit der Diskriminierung von Menschen mit Behinderung speziell in Russland beschäftigt, erhielt ich einen genaueren Einblick in die Situation vor Ort. Ich machte Bekanntschaft mit einem älteren russischen Mann, welcher mir seine Geschichte berichtete: 16 Jahre zuvor wurde bei seiner Tochter das Down Syndrom festgestellt - ein Syndrom, bei dem aufgrund einer Genommutation das gesamte 21. Chromosom oder Teile davon dreifach vorhanden sind, welches sich in unterschiedlichen Maßen auf die Gesundheit des Kindes auswirkt. Für die Ärzte gab es sofort nur eine Lösung: das Kind nicht austragen. Es würde die Familie zerstören und kein schönes Leben haben. Falls es dennoch ausgetragen werden sollte, was zum Glück geschah, solle es in ein „Internat“ geschickt werden. Doch der Mann wollte, bevor er seine Tochter abgibt, einen Einblick in so ein „Internat“ bekommen. Was er sah: Erschreckend! Ein menschenunwürdiges Leben auf engstem Raum, schlechte Lebensbedingungen, Gestank und überfordertes und unfreundliches Hilfspersonal. Von Therapie, Förderung und Beschäftigung keine Spur. Für Windeln, Füttern und Waschen bleiben pro Kind sieben Minuten. Die Lebenserwartung ist nicht hoch. So wenig Geld wie möglich möchte der Staat an diese Internate verlieren. Von diesem Moment an war der Mann entschlossen etwas gegen diese Situation zu tun. Mit Protesten und Reportagen schaffte er es sogar bis in die russische DUMA.

Die Behinderung - eine Gottesstrafe? Ein altes Vorurteil, was sich bis heute festhält. Da zur Zeit des Kommunismus wenige Erfahrung im Zusammenleben mit Menschen mit Behinderung gemacht wurden - was ich äußerst schade für eine Gesellschaftsform finde, in der doch alle gleich seien sollen - halten sich bis heute viele Vorurteile in Ländern der ehemaligen Sowjetunion. So auch zum Teil in Lettland, was meine Begegnungen zeigen. Glasnost und Perestroika haben damals durch eine Öffnung zu Informationen aus dem Westen eine Änderung herbeigeführt - doch keinesfalls flächenüberdeckend. Ein neues Denken machte sich punktuell breit: Menschen mit Behinderungen brauchen ein Leben in Würde und Selbstbestimmung. Mit dem Ende der Sowjetunion haben viele Staaten mittlerweile ihre eigene demokratische Verfassung, in welcher alle Menschen gleiche Rechte haben sollen und somit auch Menschen mit Behinderung. Das hat viele Eltern in ihrem Kampf für die Zukunft ihrer Kinder ermutigt, wie auch später den russischen Mann. Doch dem entgegen steht wenig Verständnis in den staatlichen Behörden und eine schlechte wirtschaftliche Lage, denn die soziale Inklusion erfordert hohe finanzielle Mittel. Die Situation ist gekennzeichnet durch eine Angst um die finanzielle Existenz. Eltern haben Angst ihre Arbeit zu verlieren, die Sozialhilfe ist zu gering und zudem sind viele Mütter alleinerziehend. Gründe, warum die Zukunft von schwerbehinderten Kindern noch immer besonders unsicher ist.

Doch mit dem Beitritt Lettlands zur europäischen Staatengemeinschaft 2004 haben sich viele Dinge geändert. Lettland wird moderner und somit auch das Denken in Bezug auf Menschen mit Behinderung, jedenfalls bei der jungen Generation. Ein Beispiel dafür durfte und darf ich auch im Laufe meines Auslandsaufenthaltes miterleben: Das Project „Enģeļi ar mums“. Hier haben Eltern von Menschen mit Behinderung die Möglichkeit ihre Kinder für eine gewisse Zeit in professionelle Betreuung zu geben. Zwei sehr engagierte Mitarbeiterinnen arbeiten in vielerlei Hinsicht mit den Kindern zusammen und trainieren mit ihnen die Bereiche der Motorik, Akustik und Artikulation. Außerdem beraten sie gerne die Eltern. Meine Aufgabe ist es sie dabei zu unterstützen, was mir eine große Freude bereitet. Dieses Projekt ist ein großer Schritt im Bereich der Bildung und Förderung von Menschen mit Behinderung. Nicht der Mensch mit Behinderung hat sich, wie der ältere Herr es bei „Kafija ar politiķem“ fordert, zur Wahrung seiner Rechte anzupassen, sondern das gesellschaftliche Leben Aller muss von vornherein für alle Menschen ermöglicht werden, wie es auch in der UN-Behindertenrechtskonvention niedergeschrieben ist.

Die Taten des russischen Mannes, mit welchem ich Bekanntschaft machte, und die erschütternde Diskussion beim „Kafija ar politiķem“ haben mich dazu bewegt, das Projekt „Visi kopā“ ins Leben zu rufen. „Visi kopā“ ist lettisch und heißt „Alle zusammen“. „Alle zusammen“ kämpfen für eine Gesellschaft in der „Alle zusammen“ leben. Dieses Projekt soll Menschen mit und ohne Behinderung in verschiedenen Workshops zusammenbringen, denn das wichtigste ist der Kontakt zwischen den Menschen. Vorurteile und Unklarheiten verschwinden, wenn die Menschen einander kennen lernt und somit ist es ein großer und wichtiger Schritt in Richtung Akzeptanz und ein schönes Leben miteinander getan. Sie sollen einander verstehen und bei Workshops zusammenarbeiten. Ein Schritt in Richtung inklusive Gesellschafft in Europa! Europa ist ein vielfältiges Gebilde, was in vielerlei Hinsicht zusammenwachsen muss. Nicht nur die Disparitäten in der Wirtschaft, welche eine Nord-Süd und Ost-West Disparität aufzeigen, müssen beseitigt werden, sondern auch die Disparitäten im sozialen Bereich. Die skandinavischen Länder und besonders Italien haben den Schritt in eine inklusive Gesellschaft vorgemacht und nun müssen die anderen Staaten nachziehen, damit Europa nicht zerbricht und gemeinsam den Weg in eine inklusive Zukunft ebnet.  


Mit meinen Erlebnissen vom „Kafija ar politiķem“ verlasse ich also nicht nur mit hängendem Kopf den Raum, denn es war eine riesen Erfahrung.


Mit dem Öffnen der Tür fallen die Sonnenstrahlen auf mich ein, ich gucke entschlossen nach oben und bin bereit etwas an dieser Situation zu ändern. Ich möchte einen kleinen Schritt gehen in eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung und ohne Barrieren, in welcher Alle miteinander leben und wirklich Alle gleich sind, auch wenn diese Gesellschaft wohl vorerst ein weit entfernter Traum bleibt.


Visi kopā ar Visi kopā! - Alle Zusammen für ein Alle Zusammen!

„Mini" Fußball ganz groß?! (18.10)

Ich betrete voller Vorfreude die Kabine. Die blauen Trikots hängen am Hacken, die Hosen und die Stutzen liegen ordnungsgemäß am Platz. Alles ist vorbereitet für das erste Spiel in dieser Saison. Ich richte meine Schienbeinschoner und dann geht es raus zur Erwärmung, wo wir das erste Mal auf unseren Gegner aus Riga treffen, den PB Line. Neben Organisatoren, Fotografen und Schiedsrichtern haben auch schon einige Zuschauer den Weg in die Halle gefunden. Zurück in die Kabine, der Ansprache Gehör schenken und dann raus hier!


Motiviert warten wir im Vorraum und meine Erwartungen werden übertroffen, als neben professionellen Schiedsrichtern und Cheerleader auch noch Einlaufkinder anwesend sind. Eine letzte Motivation des Trainers und dann nehme ich das Kind an die Hand und auf geht’s in die Halle, welche sich ordentlich füllte. Futsal wird oft als „Mini“ Fußball bezeichnet, doch hier scheint es alles andere als „mini“ zu sein.  

Der Anpfiff des Schiedsrichters geht unter im Lärm der bebenden Halle und das Spiel beginnt. Die Anspannung ist bis hier oben hin zu spüren, denn jeder braucht die Punkte! Ein letztes Mal die Schienbeinschoner richten und dann rauf auf das Feld und Alles geben! Schnell geht es hin und her und wir geben klar das Tempo vor, doch lange steht es 0:0. Erst spät gelingt uns der Durchbruch und nach dem 1:0 legen wir gleich das 2:0 nach. Eher überraschend gelingt PB Line dann vor der Halbzeit der Anschlusstreffer und sogar das 2:2, weswegen die Halbzeitansprache wohl etwas strenger ausfiel. Dennoch gelingt es uns in der Mitte der zweiten Hälfte einen entscheidenden Vorsprung zu erspielen, den wir dann nicht wieder hergaben. Wir gewannen 8:4.

Nach dem Spiel gab es dann ausreichend Verpflegung und nach den Worten des Trainers war das „nur der Anfang“.

Mini Fußball also in Lettland also ganz groß?


Schon jetzt freue ich mich auf weitere Spiele! 

Es ist Oktober! Wo sind eure Lederhosen?! (23.10)

Ich öffne die Tür mit dem großen brezelförmigen Eingangsschild mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen“ und betrete den Raum. Bayrische Tischdecken, Girlanden, Minibrezeln und ein gerade aufgehender Hefeteig. Jetzt können die Gäste kommen, denn alles scheint perfekt vorbereitet zu sein.  Unser erstes großes Event steht vor der Tür und was kann es besseres sein, als ein typisches deutsches Oktoberfest? 

So kurz vor dem Start packt mich dann doch etwas die Aufregung. Habe ich genug Teig vorbereitet? Wird mein erster Versuch Brezeln zu backen klappen und vor allem gelingt es uns eine ausgelassene Stimmung zu erzeugen? Vom ersten Event hängt vieles ab, denn geht das Erste schief, werden wohl die meisten Gäste zum Zweiten erst gar nicht kommen. Also, noch einmal alles durchgehen und dann finden auch schon die ersten Gäste den Weg in unseren feierlich geschmückten Raum. 

Der Abend beginnt ruhig, fast zu ruhig und nur langsam treffen die Gäste erwartungsfroh ein. Durch die sehr ausführliche Promotion im Voraus finden viele an diesem Freitagabend den Weg ins Zeimuls. Als ausreichend Leute vorhanden sind, eröffnen wir den Abend und dann kann auch gleich der Brezel Food Workshop beginnen. Die Teilnehmer und Ich fertigen aus dem großen Batzen Teig eine große Rolle an, welche anschließend in viele kleine Stücke geschnitten wird. Jeder bekommt dann ein solches Stück und anschließend heißt es, selber Brezeln machen! Jeder seine eigene und die schönsten Brezeln werden natürlich belohnt. Wir haben viel Spaß und es ist amüsant die vielen unterschiedlichen Versuche zu betrachten. Die Brezeln kommen in die Lauge und anschließend in den Backofen, wo sie nun eine Weile verweilen. Für diesen Zeitraum hat Louis im Extraraum eine kleine Präsentation vorbereitet, denn ein bisschen Bildung muss auch sein! Auf lustiger Art und Weise werden die Geschichte, die Kultur und einige interessante Fakten dargestellt. 

Anschließend geht es dann wieder nach oben und erwartungsvoll sucht jeder Teilnehmer seine Brezeln. Nachdem die beiden schönsten Brezeln ausgezeichnet wurden, heißt es dann erst einmal essen. Eine Ruhe macht sich im Raum breit und nur das Knistern der Brezeln und ein summendes „Mhhhhmmm“ füllen den Raum. Zufrieden und gut genährt heißt es dann wieder aktiv zu werden, denn wir haben noch ein paar lustige Spiele vorbereitet. Wir beginnen mit „Brezelschnappen“. Im Eins gegen Eins heißt es nun kräftig hochspringen und versuchen die Brezeln zu schnappen. Auch hier wartete natürlich ein Preis auf dem Gewinner, doch der Spaß, welcher deutlich zu spüren ist, steht im Vordergrund. Ausklingen ließen wir den Abend mit freudiger Oktoberfestmusik und ein paar freudigen Tänzen. 

Das erste Event hier im Zeimuls war ein super Erfolg und dafür danke ich auch allen Leuten, die uns dafür unterstützt haben. Erst einmal ein riesen Dankeschön an Frank Pardeike, welcher uns zahlreiche Dekoration für diesen Abend zur Verfügung gestellt hat. Außerdem Danke ich auch meiner Mama, welche mich binnen dieser Tage besuchte und mich zum Beispiel beim Dekorieren und beim Zubereiten der Brezeln unterstützt hat. Vielen lieben Dank auch an die zahlreichenden Teilnehmer. Ich hoffe das wird in Zukunft auch so gut und wir haben weiter eine Menge Spaß zusammen! 

„First step“-Präsentation und “First Meeting”-„Visi kopā!“ (03.11)

Den Computer vorbereiten, die wichtigsten Stellen noch einmal durchsprechen und dann kann es losgehen. Rund 20 Leute verschiedener Altersklassen haben heute den Weg ins Zeimuls gefunden, um meiner Präsentation zu „Visi kopā!“ Gehör zu schenken. 

Visi Kopā!“ ist ein Projekt, welches ich ins Leben gerufen habe, um zu versuchen, an der aktuellen Situation von Menschen mit Behinderung in Europa etwas zu ändern. Ich möchte einen kleinen Schritt in eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung und ohne Barrieren gehen, in welcher Alle miteinander leben und wirklich Alle gleich sind. Das Projekt soll Menschen mit und ohne Behinderung in verschiedenen Workshops zusammenbringen und dafür brauche ich natürlich interessierte Teilnehmer. Den ersten Schritt will ich mit der heutigen Präsentation gehen. Folgende Fragen wurden dabei behandelt:


Warum ein Projekt mit Menschen mit Behinderung?


Aufgrund verschiedenster Ereignisse meiner Kindheit und aufgrund meines brüderlichen Einflusses, kam ich früh in Kontakt mit Menschen mit Behinderung. Früh erlebte ich, auf welche gesellschaftliche Barrieren Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft stoßen und wie sie diskriminiert werden. Später gab mir ein schulisches Projekt von der Organisation CONDUCO die Möglichkeit, einen genaueren Blick auf die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung zu werfen.

In Projekten, zunächst in Dresden und später in Moskau, an welchen Menschen mit und ohne Behinderung teilnahmen, bekam ich dann einen genaueren Einblick in die Thematik. In diesem Projekt stand die Diskriminierung durch Sprache im Vordergrund und wir versuchten eine öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema durch Radiointerviews und Graffitis zu erreichen. Während dieser Tätigkeiten wurde man natürlich auch mit der Geschichte konfrontiert und man erfuhr, wie Menschen mit Behinderung zum Beispiel in der Nazizeit systematisch ermordet worden, oder wie in der Sowjetzeit mit allem Mitteln versucht wurde, Menschen mit Behinderung aus der Gesellschaft zu entfernen. All diese Ereignisse und unteranderem meine Erlebnisse hier in Lettland (Artikel „Kafija ar politiķem“) haben mich dazu ermutigt ein Projekt, wie „Visi kopā!“, auf die Beine zu stellen. 


Was ist das Ziel von „Visi kopā!“?


Hier werfen wir zunächst einen Blick auf die Begriffe Exklusion-Integration-Inklusion und über kleine Aktivitäten versuche ich diesen den Teilnehmern näher zu bringen. Ein wichtiger Punkt stellte unteranderem dieses Bild dar: 

Was seht Ihr in diesem Bild? Eine Vase? Zwei Köpfe? Eine schöne schwarz - weiß Landschaft?

Lasst eure Gedanken freien Lauf, denn jeder sieht etwas anderes und hat eigene Erfahrungen gemacht… Jetzt stellt euch vor, ich sage euch zuvor „In diesem Bild seht ihr zwei schwarze Kinderköpfe. Ich bin mir sicher, dass ihr dann dort auch nur diese seht. Genauso ist es mit der geistigen und körperlichen Beeinträchtigung von Menschen. Wer bestimmt, welche Menschen behindert sind und deswegen von unserer Gesellschaft ausgeschlossen werden und zum Beispiel in Extraschulen lernen? Und welchen Umfang die Behinderung ein?

Dieses Bild von „Der ist Behindert!“ will „Visi kopā!“ ändern, indem wir Menschen mit und ohne Behinderung in verschiedenen Workshops zusammenbringen. 

Welche Ideen gibt es bereits?

Darüber hinaus will ich den Zuschauern meine Ideen aufzeigen, damit sie einen besseren Einblick bekommen was genau „Visi kopā!“ machen möchte. Diese werde ich, wenn die Umsetzung erfolgte, natürlich bekannt geben. Weitere Ideen wurden dann eine Woche später während des ersten „Visi kopā!“ Treffens in einem engeren Kreis interessierter Teilnehmer besprochen. Mit diesen interessierten Teilnehmern werde ich mich nun öfter treffen, um weitere Vorgehensweisen zu besprechen und um einen kleinen Schritt in eine Gesellschaft zu gehen, in der Alle miteinander leben. „It is important that we start something!“ und auf die Probleme in der Gesellschaft aufmerksam machen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Präsentation sehr erfolgreich verlief.


“It is time to teach young people early on that in diversity there is beauty and there is strength.”


— Maya Angelou

Einmal wie Martin sein! – Martinstag im Zeimuls (12.11)

Nach dem grandiosen Oktoberfest steht nun das zweite Fest vor der Tür. Dieses Mal entschied ich mich dafür, einen typisch deutschen Martinstag nach Rezekne zu bringen. Hierfür scheint der Raum perfekt vorbereitet zu sein: eine mysteriöse winterliche Stimmung, Kerzenschein und die ersten Gäste, welche beginnen den Raum zu füllen. Beim Betreten des Raumes fallen sofort die zahlreichen farbenfrohen Laternen auf, welche ich mit einer kleinen Gruppe engagierter Teilnehmer zuvor in einem Creative Workshop gebastelt habe.

Perfekt für diese Veranstaltung! 

Als ausreichend Leute vorhanden sind, eröffne ich den Abend und dann kann auch gleich der Food Workshop beginnen. Dieses Mal bereiten wir köstliche Martinshörnchen zu. Also… den Teig zu einem großen Viereck formen, zahlreiche kleine Dreiecke daraus schneiden und anschließend Schokolade drauf packen und Hörnchen bilden. Auch hier hat jeder wieder die Möglichkeit sein eigenes Hörnchen zu formen. Anschließend müssen wir dann den Hörnchen 30 min Zeit geben, bis sie anschließend im Backofen verweilen.  

Diese Zeit nutze ich, um geschichtlich und kulturell aufzuklären. Mit einer kleinen Präsentation erzähle ich die Geschichte des St. Martin nach und anschließend richtet sich unser Blick auf Deutschland, immerhin ist es ja ein German Culture Special. Hierfür habe ich mir zahlreiche Bilder aus Deutschland zukommen lassen, wo schon am eigentlichen Tag, dem 11.11. der Martinstag stattfand. Leider bot sich mir nicht die Möglichkeit gleiches in Rezekne zu tun, da die Räume bereits belegt werden, weswegen ich es also auf den 12.11. verschob. Die Bilder, sowie das bekannte Martinslied und originale Videos vom typischen deutschen Martinstagsumzug geben den Teilnehmern einen guten kulturellen Einblick. Außerdem ist es mir wichtig auf das Verschwinden dieser Werte in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen und jedem zu zeigen, wie Martin handelte.

Anschließend heißt es dann Klappe auf und Hörnchen teilen im Sinne des St. Martin. Mit zahlreichen interessanten Gesprächen und einer gemütlichen Gesellschaft fand der Abend dann sein Ende. Zusammenfassend kann man auch hier sagen, dass es erneut ein sehr interessanter Abend war mit sehr viel Spaß.


Ein Hoch auf St. Martin! 

18.11 - Daudz laimes dzimšanas dienā! Latvija <3

Vom Platschen der Regentropfen an meiner Scheibe werde ich wach und nur langsam schaffe ich es mich von meinem Bett zu erheben. Das Wetter ist schlecht und am Himmel sieht man nichts als eine große graue Wand, die es ordentlich regnen lässt. Eifrig krame ich alle wasserdichten und warmen Sachen aus meinem Schrank, ziehe mich an und dann geht es los zum Festival Park. Oh, ich habe etwas Wichtiges vergessen! Ich renne zurück in mein Zimmer, nehme die kleine Schleife in den lettischen Farben und stecke sie selbstbewusst an meine linke Brust. Auf geht es zum Volksmarathon!

Trotz des miesen Wetters haben schon viele Menschen den Weg zum Festival Park gefunden. Das Motto: Laufen für Lettland! Der 18.11 ist der Tag der Erklärung der Unabhängigkeit Lettlands und deshalb finden den ganzen Tag über verschiedene Veranstaltungen statt. Obwohl die Grenzen des neuen Staates noch nicht festgelegt waren, rief eine entschlossene Gruppe von Nationalisten 1918 die unabhängige Republik Lettland aus, welche sie 1991 nach dem Zerfall der Sowjetunion zurückerlangten, und bis heute ist es für viele Letten und Lettinnen der wichtigste Feiertag. 

Die erste Veranstaltung des heutigen Tages ist der Marathon. Zunächst starten jene, denen es bei diesem Event auf sportliche Leistung ankommt und anschließend folgt das spaßige Teamrennen. Ich habe das Vergnügen und darf bei meiner Fußballmannschaft (TFK Rēzekne) mitlaufen. Vorne weg sollte ich nun das Tempo angeben und mir folgen rund 30 motivierte Fußballer mit Fahne und Trikot. Wir laufen einmal die Hauptstraße der kleinen Provinzhauptstadt hoch, umkreisen das Denkmal „Māra“, eine der drei Hauptgötter der lettischen Mythologie und Symbol des heutigen Tages in Rezekne, und laufen anschließend wieder zurück, wo es dann Urkunden, Tee und Kuchen gibt. Was für ein Vergnügen trotz des schlechten Wetters! 

Die zweite Veranstaltung findet dann am Nachmittag statt. Gemeinsam versammeln wir uns mit vielen Schülern aus Rēzekne für einen Marsch mit Kerzen und Fackeln entlang der Hauptstraße bis zur Māra. Ein gigantisches Bild entwickelt sich entlang der Straße und alle kommen um das Denkmal herum zusammen. Dort ergreifen dann einige wichtige Personen das Wort und öffentlich gedenken wir der Unabhängigkeit Lettlands. Reden, Tänze und Musik werden anschließend mit einem Feuerwerk gekrönt.

Eine dritte und somit letzte Veranstaltung, denn alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei, findet im „Gors“, der großen Kulturhalle statt. Hier lädt die Regierung zu einem kostenlosen Konzert ein. Das Thema? Natürlich die Unabhängigkeit! Eröffnet wird das Konzert mit der lettischen Hymne, wonach es dann eine bunte Mischung aller Musikrichtungen sowie erneut politische Reden gibt. Mit dem letzten Lied endet dann auch mein erlebnisreicher lettischer Unabhängigkeitstag. Jeder Zeit würde ich für dieses Ereignis ins traumhafte Lettland reisen, wenn ich nicht sogar hier bleibe. :D


 Es mīlu Latviju! <3 

Popiela 2015 - Freestyle (27.11) 

„Glattes Eis

Ein Paradeis

 

Für Den, der gut zu tanzen weiß.“

Die Sonne scheint, der erste Schnee ist gefallen und wie jeden Mittwoch bin ich auf dem Weg zum JACis. Ich öffne die schwere Holztür, wechsle die Schuhe und betrete den großen Raum, wo ich sofort mit einer Frage empfangen werde: „Willi, kannst du tanzen?“. In meiner Schulzeit hatte ich des Öfteren mit Tanzen zu tun und auch privat hatte ich mal versucht Breakdance zu lernen, weshalb ich die Frage mit einem schüchternen „Ja.“ beantworte. Doch warum diese Frage? Was erwartet mich jetzt?

Wir setzen uns, trinken eine Tasse Tee und sie erzählen mir von einem Ereignis namens „Popiela“, was man als „Pop/Musikstraße“ übersetzen kann. Dieses Musikfestival findet jährlich in Rezekne statt und Mannschaften aus der ganzen Stadt tanzen und schauspielern zu einem besonderen Thema. Das Thema für dieses Jahr: „Freestyle“, also alles was das Herz begehrt. Großartig! Jetzt muss ich nur noch eine Mannschaft finden… In Rezekne gibt es mehrere Freiwillige, weswegen die Idee kam, die Tradition eines „Team International“ fortzusetzen. Also Freiwillige überzeugen, eine Choreografie ausdenken und auf zum Popiela 2015!!!

 

Doch irgendwie war es dann doch nicht so einfach, wie gesagt. 8 Freiwillige, 5 Nationen, unterschiedliche Vorstellungen und ein Ergebnis, welches unsere Erfahrungen zum „EVS“ zeigen soll: 

MEER – MOOR – HOSTEL – FUßBALL  

Die Natur ist aller Meister Meister, sie zeigt uns erst den Geist der Geister.

 

 

-Johann Wolfgang von Goethe 

Jetzt stehe ich hier, der kalte Wind schlägt den Schnee ins Gesicht und vollgepackt mit Rucksack und Koffer schleppe ich mich in die warme Bahnhofshalle. Durch die gefrorene Scheibe blicke ich auf die große Uhr mit der Aufschrift „Riga“. Der 02.01.2016, 16:00 Uhr, - 15 Grad Celsius. Ich packe den Koffer am eisigen Griff, trage ihn die rustikale Bahnhofstreppe hinauf und setze mich in den Zug Richtung Rezekne. Es ist ungewohnt allein zu sein, dennoch gibt die vierstündige Zugfahrt mir genügend Zeit, auf die letzten zwei ereignisreichen Wochen zurückzublicken:

Dieses kleine Abenteuer beginnt mit dem Auto. Louis hat sich dazu entschieden zurück nach Deutschland zu gehen, weshalb ich ihn zum Flughafen begleite. Früh am Morgen geht es also entlang der einspurigen Landstraße quer durch Lettland bis zum Rigaer Flughafen. Den Koffer ausladen, eine kurze Verabschiedung und dann geht es auch schon weiter für mich, denn ich habe mir viel für dieses Wochenende vorgenommen. Über den Rigaer Ring führt mich mein Weg nach Jūrmala, direkt in den lettischen Wald, nur 200m vom Meer entfernt. Jūrmala ist die Stadt der reichen Letten und erstreckt sich nur wenige Kilometer von Riga entfernt entlang der Rigaer Bucht. Ein wahres Urlaubsparadies! Hier mitten im Nirgendwo besuche ich eine Inklusionsschule (Vaivaru Pamatskola), in der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen. Freundlich werde ich empfangen, bekomme eine Schulführung und spiele mit den Hortkindern. Was für ein Traum! Das wäre das perfekte EVS Projekt für mich, doch leider nimmt die Schule seit zwei Jahren keine Freiwillige mehr auf. Hiernach geht es für mich ins Zentrum von Jūrmala, wo ich die Rigaer Bucht am Strand entlang gehe und einmal tief durchatme bei 15 Grad Celsius. 

Die Natur Lettlands überrascht mich immer wieder und das sollte sie auch am nächsten Tag. Nach einer erholsamen Nacht habe ich mich auf dem Weg in Richtung Westen gemacht, wo ich den Ķemeru nacionālais parks besuche, ein riesiges lettisches Naturgebiet. Hier blinke ich links und biege in einen kleinen Waldweg ab, der mich 5 km tief in den Naturpark führt. Am Ende angelangt, lass ich mein Auto stehen und begebe mich zu Fuß weiter durch den Wald, bis ich endlich am Ziel angelangt bin: das Moor des Nationalparks. Entlang eines ca. 80cm breiten Holzsteges gehe ich über das Moor. Eine unglaubliche Natur, was die Bilder zeigen und ein kleiner Holzturm in der Mitte gibt mir einen noch schöneren Blick. Dieses unglaubliche Erlebnis kann ich nur weiterempfehlen! Früh geht der orangefarbene Feuerball im Moor unter und ich gehe zurück zum Auto. 

Hiernach geht es wieder in die Großstadt, denn Riga und eine EVS Party warten auf mich. Ich checke im Hostel ein und schon hier mache ich viele internationale Bekanntschaften. Eine Frau aus Singapur, welche gerade eine Europareise macht, ein Brasilianer, welcher in Deutschland Medizin studiert und fließend deutsch spricht, zwei Deutsche aus Dresden und letztendlich ein Schwede, der nur nach Riga gekommen ist um Bier zu trinken. Hier verbringe ich bei einen gemütlichen Filmabend eine tolle und vor allem erholsame Nacht, die sehr wichtig ist, da es am nächsten Tag mit dem Fußball weiter geht. Zum letzten Spiel des Jahres geht es nämlich nach Riga in die Halle der 49. Vidusskola, wo wir leider nicht über ein Unentschieden hinaus kommen. Mit einem Auto voll mit Freiwilligen geht es anschließend zurück nach Rezekne. Ein ereignisreiches verlängertes Wochenende geht zu Ende. 

 

 

Deutsche Weihnachten in Lettland

Ich öffne die schwere Haustür und begebe mich auf den Weg durch den Schnee in Richtung Zeimuls. Auch wenn der Dezember für lettische Verhältnisse viel zu warm ausfällt, hat es heute, passend zum dritten Event, angefangen zu schneien. Bevor Louis und ich über Weihnachten nach Hause fahren, haben wir uns dazu entschlossen gemeinsam mit allen Freunden in Rezekne Weihnachten zu feiern und deswegen wurde kurzer Hand eine typische deutsche Weihnachtsfeier organisiert. Alles ist ausreichend vorbereitet: die Adventskränze stehen mit 3 leuchtenden Kerzen am richtigen Ort, der Plätzchenteig ist vorbereitet und auch das Wichteln wurde sorgfältig im Vorfeld organisiert. Nun können die Gäste kommen! 

Als ausreichend Leute vorhanden sind, eröffnen wir den Abend und dann kann auch gleich der Food Workshop beginnen. Der vorbereitete Teig wird auf dem bemehlten Tisch zu einem großen Quadrat geformt und schon kann es losgehen. Mit großer Motivation beginnen die Teilnehmer Plätzchen in verschiedenen weihnachtlichen Formen auszustechen, bis der ganze Teig verbraucht ist. Eine kleine Mehlschlacht ist natürlich auch erlaubt. Alles wird auf ein Blech gepackt und dann ab in den Ofen! Die Wartezeit überbrücken Louis und ich mit ein paar Informationen über das traditionelle, deutsche Weihnachten und wollen wir auch etwas über lettische Traditionen erfahren. Nachdem die Plätzchen gold-braun gebrannt sind, werden sie mit Zuckerguss bestrichen und dann ist das Mahl eröffnet! 

Nachdem die Mägen ordentlich gefüllt wurden, kann dann das „Wichteln“ beginnen. Dafür hatte Louis im Voraus alles Nötige vorbereitet und die Teilnehmer haben ausreichend Geschenke mitgebracht. Die Zettel werden gezogen und dann kann die „Bescherung“ beginnen. Gespannt wartet jeder auf sein Geschenk und letztendlich hat jeder was zu lachen. Anschließend lassen wir gemeinsam den Abend ausklingen, erzählen, lachen und machen das ein oder andere lustige Foto, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Zusammenfassend kann man sagen, dass auch der Weihnachtsabend wieder ein voller Erfolg war und es war eine perfekte Jahresabschlussveranstaltung, bevor es nun für die Feiertage zurück nach Deutschland geht. 

                        „Coming home for Christmas“

 

 

 

Wenige Tage nach meiner Ankunft geht es dann auch wieder los, denn schon Chris Rea

singt bekanntlich "Driving Home For Christmas". Mit fast leerem Koffer geht es also nach Deutschland, wo Familie und Freunde auf mich warten. Ungewohnt und doch irgendwie schön alle wiederzusehen. Umso glücklicher war ich dennoch, als ich mit Jan und vollem Koffer zurück nach Riga fahre für eine unvergessliche Silvesterfeier. Nach 22 Stunden im Bus kommen wir schließlich im Hostel an und treffen Jakob, ebenfalls ein Freiwilliger aus Deutschland. In der Silvesternacht gehen wir nach einer kleinen Party im Hostel in die Altstadt, wo uns am anderen Ufer der Daugava ein gigantisches Feuerwerk erwartet, welches mit der lettischen Hymne gekrönt wird. Was für ein Erlebnis: 

 

Mein Jahr 2015

Zum Jahresende hatte ich neben einen Fernsehauftritt auch ein kleines Interview für die lettische Zeitung. Beides findet ihr hier:  

Interview

Was ist bei dir aus 2015 in Erinnerung geblieben?

 

„Erst am Ende eines Jahres weiß man, wie sein Anfang war.“

 

 - Friedrich Nietzsche

 

… und wenn ich jetzt mein Profil der sozialen Netzwerke überfliege, kann ich sagen, dass 2015 für mich ein sehr aufregendes und vielfältiges Jahr war, in dem viel passiert ist. Zu Beginn des Jahres standen zwei wichtige Punkte auf dem Programm: Das Abitur und die Frage, wie es danach weiter geht. Durch ganz Deutschland reiste ich für Bewerbungsgespräche, sämtliche Bücher durchwälzte ich und das zahlte sich letztendlich im Sommer des Jahres aus. Mein Abitur verlief überaus gut und besser als ich es mir je hätte vorstellen können. Die Ausgabe des Abiturzeugnisses, die Auszeichnung zum Ehrenschüler und der Abiturball sind Momente aus dem Jahr 2015, die ich wohl nie wieder vergessen werde. Nachdem ich dann meine Fahrprüfung absolvierte und endlich im Besitz eines Führerscheins und eines Autos war, verliefen auch die Bewerbungen super. Zunächst wurde ich für einen Sommerjob in Italien angenommen, indem ich die Möglichkeit hatte in der prallen Sommersonne Italiens über 6 Wochen viele Erfahrungen zu sammeln, auch wenn es nicht immer leicht war. Ich traf viele nette Leute aus ganz Deutschland und hatte sehr viel Spaß und auch diese Zeit wird sicherlich lange in Erinnerung bleiben. Doch was passiert nach Italien? Ich hatte nun die Wahl zwischen einem Auslandsjahr in Armenien oder in Lettland. Bekanntlich entschied ich mich für Lettland und dies bereue ich auf gar keinen Fall. Lettland ist ein zweiter, großer wichtiger Punkt aus dem Jahr 2015, der es so besonders macht. Viele neue Leute habe ich kennengelernt und viele neue und wertvolle Erfahrungen habe ich schon gesammelt. Zusammenfassend kann man also sagen, dass 2015 für mich in vielen Bereichen ein erfolgreiches Jahr war. Danke an alle Freunde und Bekannte, die dieses Jahr in Deutschland und auch hier in Lettland für mich so unvergesslich gemacht haben.

 

Was erwartest du von 2016?

 

Ach ja, Wünsche für das neue Jahr… eigentlich erwarte ich nichts, dann freue ich mich umso mehr, wenn es erfolgreich verläuft. Mein Wunsch geht einfach an die Dinge, die die Voraussetzung für ein gutes Gelingen sind: Gesundheit und viel Freude an dem, was ich mache. Ist dies vorhanden, bin ich zuversichtlich, dass 2016 ein gutes Jahr wird und dass ich weiter so tolle Erfahrungen in Lettland sammeln werde. Außerdem denke ich, dass Lettland die beste Voraussetzung für einen guten Start in das Jahr 2016 ist und wer weiß … vielleicht bin ich ja 2017 immer noch hier.

 

Was wünsche ich für die Einwohner von Lettland?

 

 

Ich wünsche Ihnen Gesundheit und Lebensfreude. Außerdem hoffe ich, dass Sie von den restlichen Problemen, welche zurzeit im westlichen Europa herrschen, verschont bleiben. Lettland ist ein einzigartiges und tolles Land. Viel Erfolg im Jahr 2016! 

Der lettische Winter 

Ich schlüpfe in meine warmen Winterstiefel, wickele den Schal einmal mehr um als gewöhnlich, und ziehe den Reißverschluss bis zum Anschlag nach oben. Die schwere vereiste Metalltür fällt hinter meinem Rücken zu und ich beginne meinen Weg durch den tiefen Schnee in Richtung Zeimuls. Ich gehe durch den glitzernden Morgen hin, entlang des Flusses, welcher langsam beginnt zu frieren. Die kalte Sonne erhellt den eisblauen Himmel und Wangen und Lippen beginnen von der Kälte zu brennen. Ja kaum zu glauben. Vor einem Monat bin ich noch im Pullover an der Ostsee entlang gelaufen und nun hat der lettische Winter abrupt zugeschlagen. Bisher war ich kein großer Freund des Winters und war eher immer froh, wenn der Frühling endlich begann, doch diesen lettischen Winter könnte ich anfangen zu lieben. Ein Winter, indem es kontinuierlich kalt ist und es nicht andauernd zwischen Schnee und Regen wechselt, der einen die Möglichkeit gibt auf viele Abenteuer, die in der Heimat so nicht möglich wären…

Als ein Abenteuer kann garantiert das Autofahren bezeichnet werden. Straßen sofort räumen? Salz an jede Stelle streuen? Jeder räumt seinen Fußweg! – Fehlanzeige! Die Letten haben ihre eigenen Methoden… weniger Stress, weniger Spießbürgertum und man muss sagen, es funktioniert viel besser als in Deutschland. Im Durchschnitt -15 Grad Celsius und alle Busse und Züge fahren pünktlich! Die DB würde ja schon bei zwei Tagen -5 Grad Celsius den Geist aufgeben… für mich, der nur die sauber geräumten und gestreuten deutschen Straßen gewohnt ist, war das Autofahren in diesem Monat natürlich ein ganz besonderes Abenteuer. Um meine Trainingshalle zu erreichen, muss ich einen steilen Berg hinauf. Wie gewöhnlich biege ich links ein und möchte den steilen Berg hinauf fahren, doch ab der Hälfte komme ich nicht mehr weiter und beginne rückwärts zu rutschen. Bremse drücken, in die nächste Einfahrt einbiegen und einen anderen Weg nehmen. Adrenalin pur bietet auch das Fahren über das Eis. Nachdem sich bereits mehrere Autos auf das Eis getraut haben, habe auch ich es gewagt und es hat sich gelohnt! Einfach mal Vollgas auf dem Eis! Was für ein Abenteuer! 

Ein weiteres Abenteuer ist die Schlittschuhbahn in Rēzekne. Direkt neben dem Stadion kann man hier auf einer Freiluftbahn kostenlos Schlittschuhfahren. Lediglich das Ausleihen der Schlittschuhe kostet (1,40). Im Vergleich zu Deutschland ein komfortabler (die Schlittschuhe zum Leihen sind viel besser) und günstiger Spaß! 

 

 

 Die Bahn ist riesig und bietet Treffpunkt für alle Jugendliche Rēzeknes. Bei lauter Musik und mit viel Gesellschaft kann man hier locker mal zwei Stunden rumschlagen und man spürt die Kälte von -20 Grad Celsius gar nicht! Ich war noch nie ein schlechter Eisläufer doch, unter den Letten gehen meine Fähigkeiten ganz unter… die haben es einfach im Blut! Ein super Erlebnis und hier werde ich bestimmt noch öfter hinkommen!

Sonst ist natürlich auch die Natur bei diesen eisigen Temperaturen sehr beeindruckend. Ein paar Eindrücke:

Aktivitäten im Winter

Weiter geht es natürlich auch mit meinen Aktivitäten im Zeimuls. Die Aktivitäten laufen super und der Deutschkurs ist so besucht, wie nie zuvor, weswegen ich eine extra Stunde eingeschoben habe. Auch mit dem Englischunterricht geht es ordentlich voran. 

Dazu habe ich jetzt jeden Mittwoch Englischunterricht mit den kleinen Spielern meines Vereines. Dies ist eine gute Möglichkeit, um wenigstens etwas von dem zurückzugeben, was ich bekommen habe. TFK Rezekne hat mich vom ersten Tag an sehr gut aufgenommen und hat mir viele Möglichkeiten gegeben, unteranderem in der ersten lettischen Liga zu spielen, und dafür bin ich sehr dankbar. 

Die Arbeit im Unterricht macht mir sehr viel Spaß und ich gebe mir Mühe es abwechslungsreich und interessant zu gestalten und somit stehen öfters Themen wie Fußball und Übungen mit viel Bewegung im Fokus. Von der deutschen zur englischen bis zur lettischen Fußballliga … ich hätte nicht gedacht, dass sie so viel über unsere Bundesliga wissen, doch die scheint hier populärer als die Englische, welche eigentlich die                                                                                       meist geschaute Liga der Welt ist!

                                                                                Also… „Sport frei!“ und                                                                                                   Englisch lernen!  

„Visi kopā!“ – Wir verändern was! 

Auch mit meinem Projekt ging es munter weiter. Bevor ich meine Weihnachtsreise nach Deutschland antrat, hatten wir die erste externe Veranstaltung mit „Visi kopā!“ in einer Schule Rēzeknes. Mit rund zehn interessierten Teilnehmern haben wir einen ganzen Abend mit den Kindern der Förderschule verbracht. Die Kinder lernen nicht nur in dieser Schule, sondern leben auch hier, weshalb es für sie ein ganz besonderes Ereignis war und eine schöne Abwechslung! Gemeinsam haben wir zusammen Plätzchen gebacken, Spiele gespielt und auch das ein oder andere interessante Gespräch geführt. Zusammenfassend kann man sagen, dass dieses erste Ereignis sehr erfolgreich war, weshalb ich auch motiviert war weiter zu planen. Das erstaunliche am Ende war, dass die Teilnehmer mich fragten, was diese Kinder denn überhaupt hätten und warum sie nicht auf einer normalen Schule lernen würden. Genau das war mein Ziel. Dies sind Kinder mit leichter logopädischer Beeinträchtigung, die meiner Meinung nach locker in einer Regelschule lernen könnten. Hier hat das Ziel des Projektes vollkommen zugeschlagen und hat Menschen mit und ohne Behinderung, die sich sonst vielleicht aufgrund der Zustände nie getroffen hätten, zusammengebracht.

Die Treffen versuchte ich seitdem etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Zu Beginn wollte ich den Teilnehmern ein bisschen mehr Theorie rund um das Thema Inklusion mit auf dem Weg geben, bevor wir in die übliche Diskussion einsteigen und Ideen und Wünsche für die Zukunft zusammentragen. Viele Ideen konnten so schon zusammengetragen werden und jetzt gilt es sie zu realisieren. Auch einen Sondergast konnte unser Treffen verzeichnen, denn der Direktor der körperbehinderten Schule Malta (eine kleine Stadt nahe Rezekne) ist sehr interessiert an dem Projekt und würde gern mit uns zusammenarbeiten. YEAH! Wieder einen Schritt weiter. 

Ein zweites Ereignis fand dann Anfang Februar statt. Gemeinsam besuchten wir das Autismus Zentrum in Rezekne. Ich habe hier bereits mehrere Male gearbeitet, weshalb die Idee entstand mit dem Projekt einmal herzukommen. In diesem Zentrum treffen sich Familien mit Kindern mit Autismus. Die Eltern quatschen, essen Kuchen und tauschen sich über die Krankheit ihrer Kinder aus und die Kinder selbst spielen im gut ausgestatteten Spielzimmer. Für dieses Spielzimmer suchen sie oft engagierte Jugendliche, die es schaffen die Kinder zu begeistern und das war an diesem Tag unsere Aufgabe. Gemeinsam beschäftigten wir die Kinder. Wir puzzelten, bastelten, bauten und malten. Auch dies war ein sehr schönes Ereignis und auch hier werden wir bestimmt noch einmal herkommen!

Alle zusammen für ein „Alle zusammen!“. „Visi kopā!“

 

 

Mein Abenteuer Vilnius 30.01

Ich öffne die Tür. Sofort reist der Wind mir die Tür aus der Hand und der Regen peitscht in mein Gesicht. Ich stampfe durch die Pfützen, welche den nass glänzenden Asphalt zieren und gehe zum Zeimuls, wo mein Auto geschützt in der Tiefgarage auf mich wartet. Ich stecke den Schlüssel ins kalte Zündschloss, drehe kräftig um und nach einer Schreckenssekunde springt es dann doch an. Ja lange habe ich ihn nicht mehr bewegt, aber jetzt gilt es eine längere Strecke zurückzulegen. Ich fahre zur Tankstelle, tanke einmal voll, überprüfe den Ölstand und Reifendruck und alles scheint nun vorbereitet zu sein. Mein Abenteuer Vilnius kann beginnen und sogar die Sonne hat es geschafft, wenige ihrer Strahlen empor zu strecken. Damit es nicht so langweilig wird sammele ich noch zwei Freiwillige ein und dann geht es los. 

Die Fahrt ist abwechslungsreich und lustig, bis wir den Grenzübergang zu Litauen erreichen. Hier wartet ein genervter Bauarbeiter auf uns, der uns mitteilt, dass die Ampeln ausgefallen sind und es wohl eine Weile dauern kann…. Na gut Zeit haben wir ja. Nach circa einer Stunde hat sich eine kilometerlange Schlange hinter uns gebildet und die Stimmung beginnt zu kippen. Die Russen fangen an sich zu beschimpfen, starten ein Hupkonzert und bevor die Stimmung ganz kippt, dürfen wir endlich durch. Was uns hier erwartet, kann man nicht als den Begriff „Straße“ definieren. Sand hingeschmissen und durch LKWs in tiefen Spuren festgefahren- das trifft es eher. Schweißperlen bilden sich auf meiner Stirn und langsam beginne ich die Grenze zu überqueren. Jeden Moment könnte ich mich festfahren und dreimal berührt der Boden meines Autos den Sand. Doch das war noch nicht genug. Auf halbem Weg kommt Wasser dazu. Rechts und links ein kleiner See und ich in der Mitte auf einem durchnässten Sandhaufen. 10 kg Sand fallen mir vom Herzen, als ich endlich wieder Asphalt unter den Rädern habe. Die restliche Strecke ist schön. Wir machen eine kurze Rast in Zarasai, ein kleines bildschönes litauisches Städtchen, das ich unbedingt im Sommer nochmal besuchen muss, bevor es dann endlich weiter in die Hauptstadt geht! 

Schon vom Weiten sieht man die moderne Skyline der Stadt und auch die Ruinen der Altstadt erkennt man. Ich kann meine Gefühle beim ersten Blick auf Vilnius nicht mit Worten beschreiben, aber weiß, dass ich so etwas nicht erwartet habe! Alles so westlich, so modern und so ganz anders als Riga. Ob nun schöner oder nicht das muss wohl jeder selbst entscheiden, aber beide sind sehr verschieden. Wir parken in Zentrumsnähe und besichtigen zu Fuß zunächst die neue, später dann die alte Stadt. Genau pünktlich zur Abenddämmerung betreten wir den Berg der alten Burgruine und können diesen wunderschönen Ausblick genießen. Schlafen können wir bei einen ehemaligen Erasmus + Freiwilligen, Couchsurfing nennt man das Ganze heutzutage… verrückt was es so alles gibt.

Er hat uns super gut aufgenommen, versorgt und uns sogar noch Zugang zu der kostenlosen Erasmus+ Semesterparty verschafft! Was für ein Erlebnis. Eine Party mit Menschen aus der ganzen Welt in Vilnius. Ja auch das ist EVS!!! 

Mit leichtem Schlafmangel geht es dann am Abend wieder zurück. Zunächst über den Grenzübergang, dann nach Daugavpils, wo wir eine Pause machen um gemeinsam das Finale der deutschen Handballer zu gucken und anschließend nach Hause. Somit geht es ereignisreiches Wochenende zu Ende was ich so schnell nicht wieder vergessen werde!

 

 

„Merry cosmos and happy no fear!“ – Mid-term training 2.2 – 4.2 

Ich packe die Tasche von meinem Vilnius Abenteuer aus, wasche alles einmal durch und dann geht die Reise auch schon weiter. Ja kaum zu glauben, aber es ist schon Anfang Februar, was bedeutet, dass der 6. Monat meines Auslandsjahres bereits begonnen hat. 6 von 12 Monate ist genau die Hälfte, weshalb es Zeit für mein „Mid-term Training“ ist. Dies ist das zweite Seminar im Zuge meines EFD neben dem „On-arrival Training“ vom Oktober und lange habe ich mich darauf gefreut. Endlich sehe ich alte Freiwillige, die bereits gute Freunde geworden sind, wieder und lerne neue kennen. Früh am Morgen bei strömenden Regen geht es also zusammen mit Vova los in Richtung Kegums, eine kleine Stadt an der Daugava nicht weit von Riga. Die Fahrt charakterisiert durch Regen, Sonne, Sturm, Sand, Asphalt, Freude und Verzweiflung. Umso größer die Freude, als wir endlich ankommen. Ein riesiges Holzhaus direkt an der Daugava namens „Umri“ soll also der magische Ort dieser Veranstaltung sein und wieder übertrifft es alle Erwartungen. Traumhaft schön. 

Das Training beginnt mit ein paar Kennlernspielen und danach dreht sich am ersten Tag alles um unsere Projekte. Wo arbeiten wir, was machen wir, gefällt es uns… Tag zwei war dahingegen schon viel interessanter, denn hier stand die Reflektion im Vordergrund. Es war spannend und sehr hilfreich ein Kardiogramm von den letzten 5 Monaten zu zeichnen und alles zu reflektieren. Immer wieder komme ich zu dem Entschluss, dass die Anfangszeit mit Tamara und Louis doch die schönste war, jedenfalls was die Wohnsituation und die EFD Gemeinschaft angeht. Da dieser zweite Tag unseres Trainings für mich persönlich ein ganz besonderer war, denn es war mein 19. Geburtstag und da man sich sicherlich eine bessere Geburtstagsituation als ein Seminar vorstellen kann, haben wir am Abend eine typisch lettische Sauna genossen. Unsere Trainer Kaspar und Stass haben uns ausführlich aufgeklärt über lettische Saunatraditionen und diese durften wir dann natürlich auch am Körper spüren… unglaublich und ein super Erlebnis. Diese Sauna war noch besser als die beim ersten Training am Raznas See. 

Am zweiten Tag wurde dann dein Blick in die Zukunft gewagt. Was ist nach dieser Zeit in Lettland? Wie wird uns diese Erfahrung helfen? Wie schreibt man einen YouthPass? Viele Fragen kreisen um meinen Kopf, doch das Training hat etwas Licht ins Dunkle gebracht. Für dieses traumhafte Training möchte ich mich gern bei allen bedanken. Ihr super Freiwilligen, die super Trainer aber auch die Köche, die uns 24/7 mit einem Gaumenschmaus versorgt haben. Nach diesem Ereignis ging es dann schon fast melancholisch nach Hause, doch top motiviert am Ende des Freiwilligendienstes nochmal Alles zu geben und vielleicht eine Situation, wie in den ersten beiden Monaten zu schaffen. Das Video hat Marine eine französische Freiwillige für uns gemacht, ich hoffe ihr in Deutschland könnt es sehen und es ist nicht gesperrt… es spiegelt super die Ereignisse wieder und die Musik wird wohl immer in Verbindung mit dieser Zeit bleiben. 

Auf geht’s in die zweite Hälfte meines EFD! 

Viel Vergnügen euch!

Mein Abenteuer Kaunas (19.02)

Nachdem mich nach meinem Mid-term Training erneut ein Virus umgehauen hat, kann es nun Ende Februar wieder richtig losgehen. Der Hunger danach etwas zu erleben, ist besonders groß. Endlich wieder raus aus dem Bett, endlich wieder fit, endlich wieder aktiv werden und endlich wieder raus in die weite Welt. Dieses verrückte Wochenende beginnt dennoch hier in Rezekne im Zeimuls. Trotz das zwei weitere große Veranstaltungen an diesem Freitag in Rezekne stattfinden, haben über zehn Leute den Weg zu meiner deutschen „Faschingsfeier“ gefunden. Gemeinsam bereiten wir zunächst Pfannkuchen mit Bananen und Nutella zu und anschließend werden wir aktiv. Um den Abend etwas aufzulockern habe ich viele Spiele, welche mir von meiner Faschingszeit noch in Erinnerung waren, vorbereitet. Wir beginnen mit der „Reise nach Jerusalem“, Tanzen als Paar auf einer immer kleiner werdenden Zeitung und singen und tanzen typisch deutsche Lieder. Was für ein Spaß! Der Abend war ein voller Erfolg und auch die Teilnehmer gehen mit einem Lächeln und einer selbstgemachten Medaille, als Erinnerung, nach Hause. 

Anschließend geht es dann für mich und einer weiteren Freiwilligen nach Daugavpils, wo die anderen schon auf uns warten. Wir stellen das Auto ab, gehen die Treppe des alten Sowjetbaus hoch und plötzlich bricht eine Lawine von Wiedersehumarmungen auf uns ein. Ja, sechs Monate sind wir jetzt schon zusammen und für die ersten heißt es leider schon ab nach Haus. Jakob hat sich leider entschieden für das Studieren früher zurück zu gehen und somit verlässt einer meiner besten Freunde nun das lettische EVS Boot. Ein Grund seinen Abschiedsabend unvergesslich zu machen. Zusammen geht es mit der Tramvai in die Innenstadt von Daugavpils, wo wir zusammen einen wunderschönen Abend haben, der sicherlich lange in Erinnerung bleibt. 

Erschöpft vom vorherigen Abend, geht dann mit Leon das Abenteuer richtig los. Gemeinsam fahren wir die rund 300 km Richtung Litauen, in die ehemalige Hauptstadt Kaunas. Mittags in Kaunas angekommen stellen wir bei unserer Couchsurferin die Sachen ab und verlassen das Haus, wo wir bis 4 Uhr morgens auch erstmal nicht zurückkommen. Gemeinsam gehen wir zusammen Mittag essen, wo wir viele einheimische kennenlernen, und anschließend wird uns eine super Stadtführung geboten, mit allem, was das Herz begehrt. Wir fahren die Berge hinauf, erklimmen die Kirchtürme, durchlaufen die Altstadt und erobern schließlich die alte Festungsanlage von Kaunas. Nach einer kurzen Pause geht es dann eine halbe Stunde durch die Stadt, bis wir den wohl am beeindrucktesten Ort dieses Wochenendes besuchen. Durch schmale Gassen und entlang alter Fabrikhäuser öffnet sich uns die Tür in ein alternatives Zentrum. Der Raum klein aber fein und mit Menschen nur so vollgestopft. Die Wände farbenfroh mit Friedenszeichen dekoriert und Stickern zum Thema soziale Gleichheit verfeinert. In diesen vier Wänden erwartet uns neben eines nährreichen, vegetarischen Abendbrotes auch eine sehr interessante und lehrreiche Präsentation über das Zentrum. Mit wenig viel erreichen, das kann man wohl sagen. Hiernach beginnt dann das Nachtleben in Kaunas und wir haben einen super Abend, haben viele neue Leute kennengelernt und fallen erschöpft, doch glücklich am nächsten Morgen ins Bett. Energietanken für die Rückfahrt.

Und diese Energie brauchten wir auch. Nach anfänglichen Problemen mit dem Motor fiel dann auf halber Strecke bei strömendem Regen auch noch mein Scheibenwischer aus. Das Abenteuer wird zu einem wirklichen Abenteuer. Trotz allem haben wir erfolgreich den Weg zurück nach Daugavpils gefunden, wo ich mit den anderen Freiwilligen esse und anschließend meinen Rückweg nach Rezekne antrete. Zuhause angekommen falle ich erschöpft in mein Bett, dennoch mit einem Lächeln, da ich so viele neue tolle Sachen erlebt habe und viele neue Erfahrungen gesammelt habe. Ein Wochenende, das ich so schnell bestimmt nicht vergessen werde.

So kann es weiter gehen! 

FIFA Turnier in Rezekne - "Feel the Game!" (26.02) 

Eine große Aufgabe meines Freiwilligendienstes ist es, meine Interessen mit anderen zu teilen und Menschen in Veranstaltungen zusammen zu bringen. Natürlich bin ich Fußball begeistert und natürlich liebe ich, wie fast jeder Fußballer, das Videospiel „FIFA 16“. Auch mit meinen Teamkollegen spreche ich in der Kabine oft über dieses Spiel. Man lässt die Muskeln spielen, fordert sich gegenseitig heraus und so kommt mir beim belauschen dieser Szenarien die Idee ein „FIFA 16“ Turnier in Rezekne zu organisieren. Hier werden wir sehen, wer wirklich der Bessere ist. Wenige Tage später gebe ich meine Idee an die Organisation „Future Football Latvia“ weiter, welche sofort davon begeistert ist und mir ihre volle Unterstützung zusichern. Der Hauptsponsor ist also gefunden, gilt es nur noch kleinere Sponsoren zu finden, um die Teilnahme mit Preisen für die Besten 3 attraktiver zu machen. Ich besuche sämtliche Geschäfte, lass die Kontakte spielen und letztendlich gelingt es mir Gutscheine für ein Fast Food Restaurant und eine Hand voll Kinogutscheine zu ergattern. Der Preis wird natürlich von „Future Football Latvia“ noch etwas aufgestockt und dann kann das Werben auch schon beginnen. Ich hänge Plakate überall in der Stadt auf, in Schulen, in Restaurants, im Zeimuls, mit der Hoffnung, dass sich 16 Personen bewerben, um ein gutes Turnier spielen zu können. Die ersten Tage kommen so gut wie keine Anmeldungen rein und ich fange langsam an ungeduldig zu werden. Habe ich das Plakat zu unattraktiv gestaltet, oder stimmt etwas mit dem Datum nicht? Die Erlösung kam letztendlich am vierten und fünften Tag nach der Veröffentlichung und das Turnier ist letztendlich restlos ausgebucht! Sogar mehr Anmeldungen erreichen mich, die ich leider absagen muss, mit dem Versprechen, dass im Mai ein zweites Turnier stattfinden wird. 

Voller Vorfreude baue ich das gute Stück in meiner Wohnung ab, packe alles in den Karton und befördere es zum Zeimuls. Für Essen und Trinken hat das europäische Projekt gesorgt und auch der Raum ist perfekt vorbereitet. Um es attraktiver zu gestalten, habe ich eine Fotowand erstellt und auch ein lettischer Billardtisch darf für die, die gerade eine Spielpause haben, nicht fehlen. Um 16:30 Uhr kann es dann losgehen. Die Gäste betreten den Raum, ziehen ihre Nummer, wählen ihre Mannschaft und dann können die Spiele beginnen. Gespielt wird im KO-System ganz nach dem Motto „The winner takes it all!“. Für eine große Überraschung sorgt unser jüngster Teilnehmer, Alekss, welcher die Großen eiskalt aus dem Turnier schmeißt und erst im Halbfinale unglücklich im Elfmeterschießen scheitert. 

Nach vielen spannenden Spielen und einem packenden Finale, welches nach regulärer Spielzeit und Verlängerung im Elfmeterschießen gipfelt, steht der Gewinner fest. Leider ist es zeitlich nicht möglich den dritten Platz auszuspielen, weshalb 3. Und 4. Denselben Preis erhalten. Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein sehr erfolgreiches Ereignis war. Neben den 16 Teilnehmern haben auch viele Zuschauer den Weg zu uns gefunden, um die einzigartige Atmosphäre zu genießen. Es wurde geschwitzt, gezittert und ausreichend mitgefiebert. Augenschmaus Tore und Aktionen aus der Trickkiste wurden mit lautstarkem Applaus gekrönt und auch an Fairness war dieses Turnier nicht zu übertreffen! Respekt und ein großes Dankeschön an die Teilnehmer! Ich hoffe das zweite Turnier wird genauso erfolgreich.

 

Sport frei!